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Misogynie, Sexismus & Antifeminismus

Küchensexismus

Dieses Bild veröffentlichte KuchenTV am 28. März 2025 auf der Plattform Twitter zusammen mit lachenden Emotes. Das Bild stellt einen Herd als das „iPad der Frau“ dar. Das sexistische Rollenbild, Frauen hätten ihren Platz in der Küche am Herd, griff KuchenTV mit diesem Bild nicht an. Er reproduzierte es.

Solche und ähnliche sexistische Witze verbreitet KuchenTV seit vielen Jahren auf seinen YouTube Kanälen.

Am Beginn eines Videos vom 29. Juli 2017 sagte KuchenTV:

„Riecht ihr das? Ich auch nicht. Meine Freundin sollte langsam mal kochen, genauso wie ich vor Wut.“[sic!]

2023 sagte er in einem Video:

„Ich meine, seit wann brauchen wir Frauen außerhalb der Küche?“

Im gleichen Jahr sagte er über den Instagram Kanal Mädelsabende, dieser beschäftige sich mit allem Möglichen „was mit Frauen zu tun hat“ und zählte auf:

„also Kochen, Putzen, ich meinte, so Dinge wie Haha Hihi, Periode, Aussehen und so weiter.“[sic!]

Im Dezember 2023 sagte KuchenTV:

„Wir haben Shurjoka aber nicht wegen ihrem Geschlecht angegriffen, wir sagen ja nicht in unseren Videos ‚Geh mal in die Küche!'“

Drei Monate später, am 8. März 2024 sagte KuchenTV in einem Video auf seinem Hauptkanal auf YouTube als er über die Influencerin sprach:

„Aber, was ist überhaupt passiert? Naja, das was Frauen immer passiert, wenn sie ihr natürliches Habiat, die Küche und die Waschmaschine verlassen. Sie werden Opfer einer jahrelangen, antifeministischen Hetzkampagne im Internet.“[sic!]

KuchenTV sagte „Habiat“, meinte wahrscheinlich aber „Habitat“

Am 17. November 2024 veröffentlichte KuchenTV auf der Plattform YouTube ein Video, in dem er auf ein anderes Video reagiert. Darin sieht man den Influencer Paluten, wie er sagt:

„Bitte tötet mich nicht liebe Feminstinnen! Ich mag euch wirklich, [Pause] am liebsten in der Küche.“

KuchenTV lacht über den „Witz“ und sagt nach seinem Lachen:

„Ich meine, geht gar nicht.“

Im Dezember 2024 wurde KuchenTV im Chat seines Livestreams auf der Plattform Twitch gefragt, ob die Influencerin Lehrenfrau ebenfalls in den „Boysclub“ aufgenommen werde. KuchenTV antwortete:

„Digga, kommt halt drauf an, ob unsere Boysclub WG ’ne Küche hat. HAHA, versteht ihr, Digga, weil Frauen gehören in die Küche. Aha, wie ich den wieder gerissen habe.“ [sic!]


Der Begriff „Boysclub“ wurde von der betroffenen Influencerin Shurjoka als Bezeichnung für die männlichen Haupttreiber der gegen sie gerichteten Cybermobbing Kampagne geprägt. Influencer, die Hassinhalte gegen Shurjoka produzieren, begannen später, den Begriff als Selbstbezeichnung zu verwenden.


Am 18. Januar 2025 präsentierte KuchenTV, auf seinem Kanal auf der Plattform Twitch mit dem Influencer Jayriddle einen Livestream, in dem gemeinsam gekocht wurde.

Jayriddle äußerte an mehreren Stellen des Livestreams sexistische Witze. Auf das Essen weisend, das vor KuchenTV und ihm abgedeckt auf der Arbeitsplatte lag, sagte Jayriddle zum Beispiel:

„Ich muss sagen, dass ich immer noch hoffe, dass hier ’ne Frau drunter ist, die für uns kocht.“

KuchenTV reagierte nicht auf die sexistischen Aussagen Jayriddles. Auch als Jayriddle die Küche als „Lebensgrundlage“ der Partnerin von KuchenTV bezeichnete, ging er nicht darauf ein. Keine der Aussagen hat KuchenTV aus dem Video des Livestreams entfernt, bevor er es auf seinem YouTube Kanal veröffentlichte.

Am Ende des Livestreams machte KuchenTV selbst einen sexistischen Witz über seine Partnerin:

„Boah, da wird meine Freundin nachher ganz schön was zu tun haben, wenn die die Küche aufräumen muss, ey.“

Alle gezeigten Aussagen KuchenTVs reproduzieren sexistische Stereotype und greifen diese nicht als Problem an. KuchenTV zeigt sich mit diesen Aussagen in der misogynen Tradition von Comedians wie Mario Barth oder Oliver Pocher. Er trägt mit solchen „Witzen“ nicht zum Abbau sexistischer Diskriminierung bei, sondern zu deren Aufrechterhaltung und Verharmlosung.

Eine Metaanalyse zur Wirkung solchen verunglimpfenden Humors („Disparagement Humor“), die 2015 in der Fachzeitschrift „Humor – International Journal of Humor Research“ erschien, kommt zu dem Schluss:

„Rather than acting as an initiator of prejudice, disparagement humor appears to function as a releaser of prejudice. According to prejudiced norm theory, prejudiced people tend to approve of disparagement humor and thus assent to an emergent norm in the immediate context that it is acceptable to make light of or trivialize discrimination against the targeted group. In that context, they can feel comfortable expressing their own prejudice against the targeted group without fears of social reprisal.“

Übersetzung:

„Anstatt als Auslöser von Vorurteilen zu fungieren, scheint verunglimpfender Humor eher als Freisetzer von Vorurteilen zu wirken. Nach der Theorie der vorurteilsbehafteten Normen neigen vorurteilsbehaftete Menschen dazu, verunglimpfenden Humor zu billigen und stimmen damit einer entstehenden Norm in dem unmittelbaren Kontext zu, dass es akzeptabel ist, die Diskriminierung der Zielgruppe zu verharmlosen oder zu trivialisieren. In diesem Kontext können sie ihre eigenen Vorurteile gegenüber der Zielgruppe ohne Angst vor sozialen Repressalien zum Ausdruck bringen.“

Meine Freundin kocht jeden Tag

Mit dem von KuchenTV praktizierten Wechselmodell in der gemeinsamen Sorge für sein Kind, setzt er ein Zeichen für mehr Gleichberechtigung bei der Care Arbeit. Er spricht sich in Diskussionen über die Diskrimierung von Frauen „für Gleichberechtigung“ aus, verbindet diese Aussagen aber häufig mit sexistischen Witzen.

In einem Video aus dem August 2022 kritisierte KuchenTV die Aussage, Frauen gehörten in die Küche. Er vermittelte seinen Zuschauer*innen die Darstellung, es sei selbstverständlich, dass sich Partner*innen in einer Beziehung „alle Aufgaben des Haushalts und so weiter teilen“.

In einem Video sagt er, dass er nicht kochen könne, in einem anderen Video erklärt er, er könne „theoretisch“ kochen, mache es aber „einfach nie“. KuchenTV sagt, das sei so, weil er „leider keine Zeit“ und „keine Lust“ habe zu kochen. In einem Video vom 20. Januar 2025, das KuchenTV beim Kochen zeigt, sagt er:

„Ich hab ’nen Sohn. Ich muss ja kochen, seitdem ich getrennt war. Ich hatte ja gar keine andere Option als mir das beizubringen.“

Im Dezember 2023 sagte KuchenTV auf der Plattform Instagram, dass Frauen, die Beziehungen mit Männern eingehen, die keine Care Arbeit leisten, „absolut selber Schuld“ seien.

In der öffentlichen Darstellung seiner eigenen Beziehungen macht KuchenTV kein Geheimnis daraus, dass seine aktuelle Partnerin, wie die vorherige, die überwiegende Arbeit in der Küche übernimmt.

KuchenTVs öffentlich dargestellte Lebensrealität vermittelt den Zuschauer*innen, dass erst das Fehlen einer kochwilligen Frau ein Grund dafür sei, dass ein Mann, der „leider keine Zeit“ und „keine Lust“ hat zu kochen, sich dieser Arbeit widmet.

Woher Frauen diese Zeit nehmen, stellt KuchenTV nicht dar. Auch, dass Frauen ihre Beziehung zu Care Arbeit im Durchschnitt anders bewerten, weil von ihnen viel stärker als von Männern erwartet wird, sich sozial angepasst zu verhalten und weil sie Care Arbeit wegen der gesellschaftlichen Erwartungen an ihre Rolle gegenüber eigenen Bedürfnissen häufig anders priorisieren als Männer, wird von KuchenTV nicht thematisiert. Seine Aussagen bieten auch keine Indizien eines Bewusstseins für diese Bedingungen.

Für Männer, die ihre Prioritäten erst verschieben, wenn es unausweichlich wird, sind Frauen weniger attraktiv, die nicht bereit sind, eigene hedonistische Bedürfnisse oder berufliche Karriereambitionen gleichermaßen hinter die Notwendigkeit von Care Arbeit zu stellen wie ihre Partner. Das wissen auch die betroffenen Frauen und das schränkt ihre Möglichkeiten ein, diese Prioritäten innerhalb bestehender Partnerschaften selbstbestimmt zu verschieben, ohne die Beziehung zu riskieren.

Es ist unbekannt, ob KuchenTV neben der Übernahme des Kochens durch seine Partnerin gleichermaßen viel andere Care Arbeit im Haushalt leistet. An seiner Selbstdarstellung in der Öffentlichkeit kann man das nicht ablesen. Seine Aussage aus dem Juni 2024, er beschäftige eine Haushälterin, weil er selbst „keinen Haushalt kann“, dürfte dagegen sprechen. Im Mai 2024 sagte KuchenTV, er könne „nix im Haushalt“ und finde nur Gartenarbeit „cool“.

Conclusion

Durch die öffentliche Darstellung wird das Privatleben von Influencer*innen zu einem Teil ihrer öffentlichen Figur und so auch zum Kommunikationsmittel ihrer Werte. KuchenTV könnte seine Öffentlichkeit nutzen, um selbstkritisch auf die bis heute bestehende Ungleichheit bei der Verteilung von Care Arbeit hinzuweisen. Er könnte die Ausreden von Männern – also auch seine eigenen Ausreden – angreifen, mit denen diese Ungleichheit aufrechterhalten wird. Seine Witze könnten sich gegen diese Ausreden und gegen die strukturellen Bedingungen der Diskriminierung von Frauen richten.

Stattdessen reproduziert er Sexismus in Witzen, mit denen Frauen abgewertet werden und präsentiert sich als ein Mann, für den die eigene Küche der fremde Ort ist. „Gerne kochen“ und „immer kochen“ ist nicht dasselbe. Zu sagen, man sei „für Gleichberechtigung“, erzeugt allein keine Gleichberechtigung und beendet keine Diskriminierung. Mit Teilen seiner Selbstdarstellung und seinen sexistischen Witzen trägt KuchenTV gerade dazu bei, diskriminierende Haltungen zu reproduzieren, freizusetzen und zu verharmlosen, anstatt sie zu bekämpfen.