Der Sozialpädagoge und Autor Mashood Khan veröffentlichte am 13. Februar 2026 ein Reel auf der Plattform Instagram. Das Video zeigt den Text „Deutschland ohne Migration“ und zeigt, wie viele Menschen in systemrelevanten und häufig schlecht entlohnten Berufen fehlen, würden keine Migrant*innen in diesen Berufen arbeiten.
KuchenTV antwortete am 17. Februar 2026 mit diesem Kommentar auf das Reel:
„Die Gefängnisse wären auch zu 50-70% weniger voll“
Instagram: @mashood_hamburg
In einer Instagram Story bezeichnete KuchenTV seine Aussage als „Fakt“ und stellte die Straffälligkeit von Migrant*innen als ein Problem dar, das aus Migration resultiere.
Instagram: @KuchenTV
Fact Check
In seinem „Statistischen Bericht über den Strafvollzug“ gibt das statistische Bundesamt für 2025 46.516 Strafgefangene und Sicherheitsverwahrte an, davon 36.016 mit deutscher Staatsangehörigkeit und 10.500 mit ausländischer Staatsangehörigkeit. Der Anteil der Strafgefangenen und Sicherheitsverwahrten in Deutschland mit ausländischer Staatsangehörigkeit betrug 2025 22,6 %.
Das Bundeskriminalamt, die Landeskriminalämter und das Statistische Bundesamt erheben keine Daten über den Migrationshintergrund von Strafgefangenen mit deutscher Staatsangehörigkeit. Wäre diese Gruppe in KuchenTVs „50-70%“ eingerechnet, hätte er dafür keine Datengrundlage.
Für KuchenTVs Darstellung, dass 50 bis 70 % der Gefängnisinsass*innen in Deutschland Migrant*innen sein sollen, gibt es keine wissenschaftlichen Belege.
Wie KuchenFiles in diesem Artikel anhand der Kommentierungen des Bundeskriminalamts zur „Polizeilichen Kriminalstatistik“ zeigen konnte, steht KuchenTVs Darstellung von Kriminalität als „Migrationsproblem“ im Widerspruch zu wissenschaftlichen Erkenntnissen und erweist sich als rechtspopulistisch.
KuchenTVs falsche und irreführende Darstellungen der Kriminialität von Asylsuchenden und Migrant*innen weisen starke Gemeinsamkeiten mit den Erzählungen der extremen Rechten auf. Sie zielen darauf ab, Ängste, Hass und rassistische Vorurteile gegenüber Asylsuchenden und Migrant*innen zu verstärken und mit konstruierten Sicherheitsbedrohungen Stimmung für eine restriktive Migrationspolitik zu machen.
Die Ursachen für die gegebene statistische Überrepräsentation werden bewusst falsch dargestellt, Kommentierungen zu den verwendeten Statistiken und zu Einschränkungen der Aussagekraft werden bewusst nicht thematisiert. So geht auch KuchenTV vor.
Seine rechtspopulistischen Aussagen stellen sich als bewusstes Handeln dar, weil er falsche und irreführende Darstellungen später nicht zurück nimmt und Inhalte mit falschen Darstellungen nicht entfernt.
Möglicherweise eine Remigration
Der rechte Influencer Ben Unscripted kritisierte im März 2026 in einem Video, dass Forderungen nach „Remigration“ unberechtigt als „rechtsaußen“ gebrandmarkt würden. KuchenTV stimmte ihm in einem Livestream auf der Plattform Twitch zu.
„Remigration“ ist ein politischer Kampfbegriff der Neuen Rechten. Hinter dem Begriff steht das Ziel, Ausländer und „nicht assimilierte“ Menschen mit Migrationshintergrund millionenfach aus Deutschland auszuweisen oder zu deportieren. Der rechtsextreme Aktivist Martin Sellner, die AfD und die Neue Rechte um Götz Kubitschek setzen sich seit Jahren aktiv für „Remigration“ ein und verfolgen das Ziel, die rechtsextreme Forderung zu normalisieren. Seit den Medienberichten über das rechtsextreme Treffen im November 2023 in Potsdam versuchen Vertreter der Forderung, die Bedeutung des Begriffs und die darunter verstandenen Maßnahmen zu verschleiern und zu verharmlosen.


